Liebe Wallfahrerinnen und Wallfahrer,
liebe
Schwestern und Brüder,
Viele von
Ihnen sind heute schon ein Stück Weges gegangen von Weng und Parzham. Nicht
alle sind dieses kleine Stück weg mitgegangen, aber alle haben wir uns heute auf
den Weg gemacht, um den hl. Bruder Konrad, die Mutter Gottes als Schutzfrau
Bayerns und nicht zuletzt Gott miteinander zu feiern in einem schönen
Glaubensfest.
Vielleicht
erhoffen wir uns von diesem Fest mehr Freude und Lebendigkeit in unserem
Glaubensleben, vielleicht suchen wir eine Vertiefung unseres Glaubens, vielleicht
erwarten wir uns auch interessante und erfrischende Begegnungen mit Menschen,
die auch im Glauben unterwegs sind, sodass wir uns gegenseitig auf unserem
Glaubensweg stärken.
Die
äußeren Wegstrecken des Bruder Konrad
Von Bruder
Konrad ist bekannt, dass er – bevor er ins Kloster ging - unglaublich viele und
lange Wegstrecken um seines Glaubens willen zurückgelegt hat. Jeden Sonntag
ging er von Parzham zur Frühmesse nach Griesbach, zum Hauptgottesdienst zurück
nach Weng, dann nach dem Mittagessen zur Andacht in Bad Birnbach oder in die
Pfarrkirche Karpfham. Das waren auf jeden Fall mind. ca. 20 km Fußmarsch pro
Sonntag.
Alle zwei
Wochen ging er zu Fuß nach Aigen, um dort seinen spirituellen Begleiter
Franz-Xaver Dullinger zu treffen. Dazu brach er nachts vor 2 Uhr auf, feierte
dann in Aigen den Gottesdienst mit. Erst gegen Abend kam er wieder nach Hause.
Diesen Weg – hin und zurück 40 km – ging er bei jedem Wetter. Auch viele
Wallfahrten hat er unternommen, z.B. nach Passau Maria Hilf, das auch nicht
gerade um die Ecke liegt.
Alle diese
äußeren Wege hat Bruder Konrad auf sich genommen, um Gott näher zu kommen - in
Gottesdiensten (Messfeiern oder Andachten) oder im geistlichen Gespräch oder
auch schon im Gebet während des Gehens.
Es wird
erzählt, dass er schon als Kind auf dem Schulweg immer den Rosenkranz betete.
Auch als Erwachsener ging er in der Regel allein, blieb ganz gesammelt, und
versuchte, seine Gedanken und seine Seele ganz auf Gott hin auszurichten.
Auf seine Umgebung, die Menschen um ihn herum, hat das sicher etwas merkwürdig
gewirkt. Die einen haben ihn vielleicht für narrisch, verrückt oder wahnsinnig
gehalten, anderen haben ihn vielleicht bewundert.
Im Ort sagte man über ihn: „Vom Venushof-Hansl kann man das Beten lernen“.
Der
innere Weg des Bruder Konrad - sein Gebetsweg
Auf all den vielen
und langen äußeren Wegen ist Bruder Konrad auch einen inneren Weg gegangen. Er
hatte ein klares Ziel seines Lebens gefunden: Sein Ziel war Gott, auf ihn ging
er zu.
Ich möchte
heute einmal besonders auf den inneren Weg des Bruder Konrad schauen, auf seinen
Gebetsweg.
Wovon ist
sein innerer Gebetsweg ausgegangen und wo hat er geendet?
Der
Ausgangspunkt: eine persönliche Gotteserfahrung
Am Anfang
des außergewöhnlichen Gebetsweges von Bruder Konrad stand sicher eine ganz
persönliche Gotteserfahrung. Er selber erzählt nichts davon, dass er etwa z.B.
eine Erscheinung hatte, eine Vision oder eine Audition. Bei ihm war es wohl eine
innere Wahrnehmung, ein Schmecken der Nähe und Liebe Gottes. Wir wissen nicht:
war es eine heftrige oder eine eher sanfte Erfahrung. Aber auf jeden Fall wurde
sein Herz entzündet, entflammt von und für die Liebe Gottes. Er wurde davon angesteckt,
infiziert wie von einer Krankheit.
Es war wohl
so etwas wie ein „Vorgeschmack" Gottes. Und es gab bei ihm sicher eine
erste Begeisterung für Gott, vielleicht wie das erste Verliebtsein, wenn man in
einen Menschen verliebt ist. Da wissen wir alle, dass diese Gefühle des ersten
Verliebtseins wunderbar sind, aber auch wieder vergehen und dass irgendwann der
graue Alltag kommt und dass man dann auch an der Beziehung arbeiten muss. Jeder,
der schon viele Jahre verheiratet ist, weiß das! Das ist auch im Glaubensleben (und
im Klosterleben) und in der Beziehung zu Gott so.
Wenn man
will, dass ein Feuer weiterbrennt und nicht ausgeht, muss man es hüten. Man
muss Holz oder anderen Zündstoff nachlegen, man muss auch mal ein bisschen
reinblasen (sich Inspiration holen) etc. also man muss etwas tun, um das Feuer
am Brennen zu erhalten.
Und das hat Bruder Konrad getan. Er hat sich sehr
bemüht und angestrengt und mit viel Disziplin viel unternommen, um noch mehr von
Gott zu erfahren, ihm näher zu kommen, noch inniger die Begegnung mit Gott zu
spüren.
Als er Bauer am Venushof war, besuchte er, sooft es ging die Messe, und
Andachten. Er betete persönlich viel und schloss sich mehreren frommen
Vereinigungen/ Bruderschaften an.
Als
Kapuzinerbruder betete er während seines 18-Stunden-Tages an der Pforte des Klosters
in jeder freien Minute, und außerhalb seines Pfortendienstes stundenlang und
nächtelang. Es wird erzählt, dass er ein großes Verlangen nach dem Empfang der hl.
Kommunion hatte. Ausnahmsweise wurde ihm die tägliche Kommunion erlaubt. Er
konnte von der Alexius-Zelle aus immer auf den Tabernakel schauen, um sich mit
dem Herrn zu verbinden.
Das Ziel erreicht: die Erfahrung der Liebe Gottes
Irgendwann auf diesem Weg der vielfältigen geistlichen Übung hat Bruder Konrad sein Ziel erreicht: die spürbare, intensive Erfahrung der Liebe Gottes, seiner beglückenden, beseligenden Nähe, die innere Vereinigung mit ihm.
Alle christlichen Mystiker sagen uns, dass man diese Erfahrung der Liebe Gottes sich nicht selber erarbeiten, erkaufen oder machen kann. Die Erfahrung des Einsseins mit seiner Liebe ist immer ein Geschenk. Man kann sich dafür disponieren, darauf vorbereiten. Aber ob und wie man sie dann spürbar bzw. mit Gewissheit erfährt, ist Sache Gottes.
Der Weg dahin ist kein leichter, er ist sicher mit Schwierigkeiten und Leiden verbunden. Bruder Konrad hat in seinen Briefen nur kurz über das Leiden gesprochen. Er sagt, dass er in Schwierigkeiten und im Leiden auf Christus schaut, auf sein Kreuz. Und der Blick auf das Kreuz Jesu und auf die Liebe Jesu gibt ihm Kraft und hilft ihm, sein eigenes Kreuz zu tragen.
Die hl. Theresa von Avila beschreibt den Weg der Seele hin zur Vereinigung mit Gott, zur „unio mystica“ als einen Reifungsweg durch sieben Wohnungen (=Bereiche) der Seele, bis man dann nach vielen Zweifeln, inneren Kämpfen und Prüfungen und Versuchungen, Selbsterkenntnis, Gebet, zur Vereinigung mit Gott, zum vollständigen Erkennen der Liebe Gottes kommt. Die dann auch dauerhaft ist.
Der hl. Bruder Konrad durfte diese Liebe Gottes erfahren, er durfte in sie eintauchen und konnte sich in ihr bewegen und leben wie ein Fisch im Wasser.
Er schreibt in einem seiner Briefe:
„In der Liebe meines Gottes komme ich an kein Ende. ...
im Staunen und Anbeten und Bewundern der namenlosen Liebe Gottes zu uns armen
Geschöpfen - komme ich an kein Ende. Da hindert nichts, da bin ich immer mit
meinem lieben Gott auf das innigste vereinigt.“
Und diese Liebe zu Gott und Gottes Liebe zu ihm machen ihn glücklich, ja selig. Er schreibt: „Was mich betrifft, du möchtest es vielleicht wissen, wie es mir geht. Es geht mir immer gut. Ich bin immer glücklich und zufrieden in Gott; ich nehme alles mit Dank von dem lieben Himmelvater an, sind es Leiden oder Freuden. Er weiß ja, was für uns das Beste ist und so bin ich immer glückselig in Gott.“
Gottes Liebe ist weit und grenzenlos
Bruder Konrad spricht hier von der „namenlosen" Liebe Gottes, über die er
staunt, die er bewundert und die er anbetet. Viele Mystiker sprechen von einer
inneren Erfahrung des Einswerdens mit Gott, in der man keine Bilder und keine
Worte mehr für die Wirklichkeit Gottes findet. Gott wird erlebt als viel größer
als alle Begriffe, die wir uns von ihm machen können, als alle Beschreibungen,
die wir für ihn erfinden können.
Gott als der Urgrund allen Seins, aus dem alles
hervorgegangen ist, ist für unseren Verstand nur bruchstückhaft zu erfassen,
letztlich entzieht er sich.
Diese unergründliche, grenzenlose Weite, Größe,
Schönheit, der Liebe Gottes durfte der hl. Bruder Konrad erfahren und er findet
keine Begriffe für sie, er sagt, diese Liebe ist namenlos.
In diesem grenzenlosen, unendlich weiten Urgrund allen Seins, der Gott ist, treffen sich die Mystiker der verschiedenen Religionen. Im heutigen Evangelium macht Jesus eine Andeutung, dass der Himmel, der Ort Gottes, ganz weit und offen ist. Er sagt in seiner Abschiedsrede im Johannesevanglium: „Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen.“ Das heißt doch: Gott weiß um die vielen zahllosen Charaktere auf der Welt, und er hat Platz für alle. Jesus Christus hat durch seien Tod am Kreuz für alle gesühnt, er hat die Sünden der ganzen Welt hinweggenommen, hinweggeliebt. Daher ist die Liebe Gottes grenzenlos und unbegreiflich.
In einem Brief vom August 1872 schreibt Bruder Konrad:
„Die Liebe hat keine Grenzen“:
"Ich bin bemüht, Gott recht zu lieben. O das ist
ja oft mein einziger Kummer, dass ich so wenig ihn liebe. … Ja,... ich möchte
oft alle Geschöpfe anrufen, dass sie mir doch meinen lieben Gott lieben helfen.
Ich muss schließen. Ich komme zu weit. Die Liebe hat keine Grenzen."
Gottverbundenheit im Alltag und bei Belastungen
Konrads innige Gottverbundenheit bleibt auch bei seinem schwierigen, belastenden Alltag an der Klosterpforte:
„Auch bei meinen vielen Geschäften bin ich oft umso
inniger mit Gott vereinigt. Ich rede da ganz vertraulich wie ein Kind mit
seinem Vater. Ich klage ihm da meine Anliegen, meine Bitten, was mich am
meisten drückt. Dann bitte ich ihn, er möchte mir diese und jene Gnade
verleihen - aber mit recht kindlichem Vertrauen, ja mit recht großem Vertrauen.
Mitten im Trubel seines Alltags an der Pforte konnte sich Konrad der Gegenwart Gottes und seiner Liebe bewusst bleiben. Und dann liebevoll, sanft, geduldig und gelassen mit den Menschen umgehen, die zu ihm an die Klosterpforte kamen, auch wenn die oft ganz schön gemein zu ihm waren und ihm das oft schwer fiel.
Sein Gebet geschah also nicht nur an heiligen Orten, sondern auch in seiner Arbeit, in seinem Umgang mit den Menschen. Sein Engagement, sein Dasein für die Menschen war Gebet. Sein Tun war Gebet. Jesus hat ja gesagt: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Wenn ich also den Menschen Liebe erweise, erweise ich sie gleichzeitig Jesus und Gott.
„Vom Venus-Hansl können wir das Beten lernen“ haben die Parzhammer von Bruder Konrad gesagt.
Der heilige Bruder Konrad hat auf seinem Gebetsweg das
Einssein mit Gott, die dauerhafte, anhaltende innere Vereinigung, die sog.
„unio mystica“ mit Gott erfahren dürfen.
Die wenigsten von uns werden diese Erfahrung machen
können. Wir machen solche Erfahrungen eher punktuell. Bei uns sind es eher
Blitzlichter der Liebe Gottes, die hell aufleuchten, aber auch schnell wieder erlöschen.
Wenn wir es auch im gefühlten Einssein mit Gott nicht soweit bringen können wie
der hl. Bruder Konrad, so können wir doch die Liebe Gottes in unserem Alltag,
in der Familie, bei der Arbeit in kleinen und größeren Diensten weitergeben. Darin
sind wir kleinere und größere Zeuginnen und Zeugen unseres Gottes, der die
Liebe ist.
Bitten wir heute, am fest Marias, der Schutzfrau Bayerns, den hl. Bruder Konrad, dass er uns als guter Bruder begleitet und mit uns geht, und uns hilft, in der Liebe zu wachsen.
Amen.